Lage-Paradies

Ein Eden für jeden?

Quelle: weinfanatic

Jeder von uns sinniert und sucht für sich selbst das Paradies. Thomas Schmidheiny hat es offenbar ein wenig überall auf der
Welt gefunden. Eine Handvoll Weingüter – rund um den Globus – nennt er sein Eigen. Dazu gehört das am Zürichsee gelegene «Höcklistein». In der Lage «Paradies» gedeihen dort edle Stöcke mit Trauben der Sorten Pinot Noir und Merlot. Wagen wir also einen lüsternen Blick in den Garten Eden…

Plättchenwein
Weingüter direkt am Zürichsee sind rar. Es gibt sie eigentlich nicht. Bestimmt doch marktwirtschaftliches Denken das Angebot sowie die Nachfrage und damit die Verfügbarkeit eines nicht minder raren Gutes: Land!
Dort wo auf dem «Höcklistein» heute Reben stehen, wurde bereits vor langer Zeit Weinbau betrieben. Möglicherweise emotions- doch mit ziemlicher Bestimmtheit anspruchslos. Erst mit der Übernahme der verlotterten Anlagen durch das Weingut Schmidheiny im Rheintal, kam Professionalität, Weitblick und Passion an die Gestade des Zürichsees. Seither wird unermüdlich daran gearbeitet aus den ehemaligen «Magenklemmern» anspruchsvolle, saubere und qualitativ gute Weine zu entwickeln. Unermüdlich führte Andreas Stössel – seines Zeichens der Winemaker der beiden Schwester-Weingüter – die Preziosen in die Moderne. Hin zu vorzeigbaren und «qualifizierten Rebensäften» könnte man sagen. Aus den ehemaligen Begleitern von einfachen lokalen Mahlzeiten wie Trockenfleischplatten sind mittlerweile ernsthafte und konkurrenzfähige Tropfen geworden. Ende Gelände? Von wegen…

Raubbau
Der erste Besuch verschiedener Weingüter der Region im Jahr 2016 war eine grössere Überraschung für uns. Grundsätzlich mal wegen der angenehm frischen und süffigen Weine, die entlang der Seestrasse [«roter Teppich»] vor den Toren der Stadt Zürich gediehen. Mit Erich Meier und Alain Schwarzenbach besuchten wir Weingüter und Winzer mit Courage, Entdeckungsgeist und Ambition. Als letzte Station der kleinen Weinreise verschlug es uns nach Kempraten zum Weingut Höcklistein. Was wir dort fanden, war das fehlende Element des Trips: Jemand mit Willen, Ressourcen und einer Vision!
Thomas Schmidheiny, dessen Familie seit über 100 Jahren Wein produziert, erklärte an der Präsentation der neuen Paradiesweine, die ursprünglichen Businesspläne für das Weingut «Höcklistein» hätte man besser mit «Raub-» statt «Rebbau» betiteln sollen. Die Investitionen in die Anlagen müssen wohl gewaltig gewesen sein.

Vorbilder
Im Vorfeld der Publikumspräsentation der neuen Premiumlinie «Paradies» sandte das Weingut Höcklistein weinfanatic die beiden Weine, um sie in Ruhe verkosten, beschreiben und bewerten zu können. Die Preziosen, die beim ersten Eindruck und rein äusserlich nach dem gelungenen Re-Branding, wertig daherkamen, wurden in einem entsprechenden Rahmen in Ruhe und mit Gelassenheit verkostet, erfasst und auch geschluckt. Jawohl! Andreas Stössel richtete bei der Vinifikation des Pinot Noir sein Augenmerk auf das Burgund. Beim Merlot stand Bordeaux Modell.

O Adam welche Lüsternheit
Die Premiumlinie «Paradies» des Weinguts Höcklistein ist ein gutes Beispiel für visionäre Ideen und deren Umsetzung. Am Zürichsee, wo vor nicht allzu langer Zeit noch einfache, fruchtige und schnörkellose Rot- und Weissweine für Spaziergänger und Wanderer entstanden, produzieren heute ambitionierte Winzer anspruchsvolle Tropfen für Liebhaber/-innen.
Das Weingut Höcklistein geht nun einen Schritt weiter und bringt mit der «Paradies»-Linie zwei Vertreter aufs Spielfeld, die bekannte Limiten überwinden und in der Lage sind, den Ruf der Weine von den Gestaden des Zürichsees, bis an die Landesgrenzen und das Echo womöglich darüber hinaus hörbar zu machen. Trotzdem sind sowohl der Pinot Noir wie auch der Merlot vertraut und wohltuend «heimisch» geblieben. Genau das ist ihr Stärke und ihr Trumpf im Kampf, um die Gunst der Geniesser. Gleichzeitig qualitativ hochstehend und preislich herausfordernd, werden sie ganz sicher ihre Abnehmer, Liebhaberinnen und Liebhaber finden.

Verkostung
Pinot Noir Paradies: Am Gaumen ist das Tannin rund und gut integriert. Die Säure ist präsent und derzeit etwas dominant. Doch es herrscht Einklang, Zucht und Ordnung. Das wahrnehmbare Holz ist einmassiert und bildet eine schöne Kulisse ohne gestellt zu wirken. Der Abgang ist sehr edel und klingt lange nach. Weit hinten kommt etwas Vanille zum Vorschein, bevor der Tropfen noch ein wenig nachwärmt und sich verabschiedet. Derzeit ist der Bursche noch etwas ungestüm und weiss nicht so recht wohin mit der Kraft. In ein paar Jahren dürfte hier ein Edelmann erwachsen sein, der es mit allen – aber wirklich allen – aus der Schweiz aufnehmen kann.

Merlot Paradies: Beim Genuss des Weins weiss man rasch, dass man da was Grosses im Glas hat. Doch der «Paradies» wird noch bestimmt fünf Jahre benötigen, um seinen Zorn und die Kanten loszuwerden. Ein wilder Mustang dem plötzlich und ohne Vorwarnung ein Sattel umgeworfen wurde. Was tut er? Er schlägt nach allen Seiten aus. Der Merlot «Paradies» ist ein tolles Produkt, das die önologische Schweiz und insbesondere das Verständnis für Zürichsee-Wein verändern wird. Er ist irgendwie…wie soll man es bloss sagen? So: «Gedächtnistätowierend»!

Die gesamte Reportage können Sie hier herunterladen.