Rheintaler Solidarität und Leidenschaft in Flaschen

Am Samstag, 11. Mai 2019 wurde in Heerbrugg auf dem Weingut Schmidheiny nicht nur das Frühlingsfest gefeiert. Es wurde auch ein neuer Wein getauft und offiziell vorgestellt. Ein Wein mit ganz besonderer Geschichte. Sie erzählt von Leidenschaft und Solidarität.

Es war im September des letzten Jahres, als Andreas Stössel von der schwierigen Situation der Balgacher Winzer erfuhr. Stössel, Oenologe des Weinguts Schmidheiny, beriet sich mit seinem Patron Thomas Schmidheiny und handelte. Doch was war geschehen?

Sechs Winzern und Traubenproduzenten, welche seit Generationen die Weinberge oberhalb Balgach bearbeiten und ihre Trauben im Herbst an einen grossen Weinproduktionsbetrieb liefern, standen plötzlich ohne Abnehmer da. Denn der Betrieb, der seit Jahren aus den Trauben unter seinem Namen Rheintaler Weine kelterte und abfüllte, sagte auf einmal ab.

«Eine fast groteske Situation», meint Andreas Stössel. «Da haben diese Leute den Weinberg voll mit besten Blauburgunder-Trauben aus dem aussergewöhnlich guten Jahrgang 2018 und wissen nicht, was sie nach der Ernte damit machen können». Denn so viel Geduld, wie es das ganze Jahr in den Reben braucht, so wichtig ist bei der Ernte der richtige Zeitpunkt und die rasche Verarbeitung des Leseguts. Stössel hielt kurz Rückspräche mit Thomas Schmidheiny und entschied dann, die Trauben abzunehmen.

«Die Qualität war überzeugend und wir entschlossen uns, aus der speziellen Situation auch einen speziellen Wein zu machen». So wurde aus den roten Blauburgunder-Trauben der Weisswein «Rebhöfler», ein so genannter Blanc de Noir. Wie das geht, erklärt Andreas Stössel so: «Auch der Saft der roten Trauben ist anfangs weiss, die Farbe kommt erst nach und nach in den Most, indem sie sich bei der beginnenden Gärung langsam aus den Schalen löst. Das haben wir unterbunden und den Saft ohne grossen Schalenkontakt direkt weiterverarbeitet.»

So entstand mit dem Rebhöfler 2018 ein Weisswein aus roten Trauben und Solidarität unter den Winzern der Region. Die Weine können direkt auf dem Weingut oder in der regionalen Gastronomie zum Preis von 17 Franken gekauft werden.

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